Strukturelle Netzwerkanalyse
Zusammenfassung
Def Netzwerkanalyse
"Die Netzwerkanalyse ist eine geeignete Methode, die die soziale Struktur einer Gruppe als Ganzes und die Einbettung von Akteuren im einzelnen präzise zu erfassen" (Schnegg und Lang, Netzwerkanalyse)
Netzwerk: "Abgrenzbare Menge von Elementen (Knoten) und Beziehungen (Kanten) zwischen diesen Elementen.
Analyseeinheit: Beziehung zwischen Elementen"
Spezifische Relation, die über eine Menge von Elementen definiert ist. (Jansen)
Fragen zur strukturellen Netzwerkanalyse
Was steht im Fokus der strukturellen Netzwerkanalyse? Inwiefern unterscheidet sich diese Perspektive von der konventionellen quantitativen Sozialforschung)
Im Fokus der strukurellen Netzwerkanalyse stehen Beziehungen zwischen Akteuren und die Einbettung dieser in eine Struktur.
In der herkömmlichen Sozialforschung werden nicht Beziehungen zwischen Akteuren in Bezug auf Struktur untersucht, sondern nur Zusammenhänge zwischen individuellen Merkmalen der einzelnen Akteure und deren Zusammenhänge.
fdR: Nils, Julia B.
Erklären Sie den Unterschied zwischen symmetrischen und asymmetrischen Netzwerken. Verwenden Sie je ein Beispiel für Ihre Erläuterung!
Im Falle symmetrischer Netzwerke sind ein- und ausgehende Beziehungen identisch. Im Falle von asymmetrischen Netzwerken unterscheidet man zwischen dem Indegree, den von einem Akteur empfangenen Beziehungen, und dem Outdegree, den von einem Akteur ausgehenden Beziehungen.
- symmetrisch: Ehenetzwerke
- potenziell asymstrisch: Freundschaften,Ratgebernetzwerke
Welche Analyseebenen werden in der strukturellen Netzwerkanalyse unterschieden?
- Dyade (Zweierbeziehung): Netzwerk wird in Dyaden zerlegt
- Triaden (Dreierbeziehungen)
- Ego-zentrierte Netzwerke
- Gruppen innerhalb von Netzwerken (Cliquenkonzept, Blockmodellanalyse)
- Gesamtnetzwerk (Netzwerkdichte, komplexe Strukturmuster, die eine Gruppenanalyse voraussetzt)
Quelle: Vorlesungsfolien fdR: Julia Bux, Nils
Was besagt die Netzwerkdichte und wie berechnet sie sich für symmetrische und asymmetrische Netzwerke?
Maß für den Zusammenhalt des Netzwerks!
Die Dichte ist die Anzahl der tatsächlichen Beziehungen in einem Netzwerk geteilt durch die maximal möglichen Beziehungen innerhalb eines Netzwerkes. Der Wertebereich liegt dabei zwischen 0 und 1. Je höher der Wert, desto stärker sind die Personen im Netzwerk miteinander verwoben.
Berechung
gerichtet: Anzahl der möglichen Beziehungen: n (Anzahl der Akteure) * (n-1)
ungerichtet: Anzahl der möglichen Beziehungen: n (Anzahl der Akteure) * (n-1)/2
Die Anzahl der tatsächlichen Beziehungen entspricht der Anzahl der Einsen in der Matrix.
fdR: Nils, Julia Bux
Welche Informationen liefern die Degreewerte von Akteuren? Inwiefern lässt sich mithilfe der Degreewerte etwas über die Zentralisierung im Gesamtnetzwerk aussagen?
Die Degreewerte geben an ,wie viele Beziehungen ein Akteur im Netzwerk zu anderen Akteuren des Netzwerkes aufweist.
Unterscheidung bei gerichteten Netzwerken zwischen Indegree (eingehende Bez) und Outdegree (ausgehende Beziehungen).
In so fern stehen hohen Degreewerte der einzelnen Akteure für eine hohe Netzwerkintegration (Zentralität).
Standardisierung: Werden die Degreewerte durch die Anzahl der möglichen Beziehungen geteilt, ergibt sich ein Wert der über Netzwerke hinweg vergleichbar ist.
fdR: Julia Bux, Nils
Erläutern Sie den Unterschied zwischen Wegen und Pfaden in Graphen! Verwenden Sie zur Erklärung das Beispiel der Übungsaufgabe (s.u.)!
- Weg = eine direkte Linie zwischen zwei Punkten
- Pfad = eine indirekte Verbindung zwischen zwei Punkten durch Wege (über andere Punkte)
Was ist mit dem Begriff kürzester Pfaddistanz gemeint und welche Informationen lassen sich daraus ableiten? Verwenden Sie zur Erklärung das Beispiel der Übungsaufgabe (s.u.)!
Die kürzeste Pfaddistanz gibt an in wie vielen Schritten (über wie viele Akteure) ein Akteur einen anderen am direktesten erreichen kann (Die Mindestanzahl der Wege zwischen 2 Knoten). Beziehungen die eine hohe kürzeste Pfaddistanz aufweisen sind störungsanfällger als solche mit niedrigen kürzesten Pfaddistanzen.(Der "stille Post" Effekt)
fdR: Nils, Julia Bux
eigene Fragen
Was ist die Dichte eines Netzwerkes und was besagt sie?
Die Dichte ist die Anzahl der tatsächlichen Beziehungen in einem Netzwerk geteilt durch die maximal möglichen Beziehungen innerhalb eines Netzwerkes. Der Wertebereich liegt dabei zwischen 0 und 1. Je höher der Wert, desto stärker sind die Personen im Netzwerk miteinander verwoben.
Anzahl der möglichen Beziehungen: n (Anzahl der Akteure) * (n-1); (n-1, weil man mit sich selber ja keine Beziehung eingehen kann - im Normalfall zumindest :-))
Die Anzahl der tatsächlichen Beziehungen entspricht der Anzahl der Einsen in der Matrix.
FdR: Richy
Anzahl der möglichen Beziehungen: n (Anzahl der Akteure) * (n-1)/2 (ungerichtet)
FdR: Julia
Mikro-Makro- Problem in der empirischen Sozialforschung?
Vorgeschichte: In den 60er Jahren wurden neue Erhebungsverfahren entwickelt, d.h. man konnte nun große Bevölkerungsgruppen erreichen... Folge war, dass man große Stichproben hatte, mit isolierten Individuen als Merkmalsträger, von denen man keine Informationen hatte.
-> Entfremdung zwischen Sozialforschng und soziologischer Theorie
Problem der Emergenz:
- von der Makroebene, lässt sich nicht eindeutig auf die Entscheidungen/Bewegründe einzelner Akteure schließen
Bsp.: Entwicklungstendenzen der gesamten Gesellschaft vs. individuelle Handlungswahl (Wahlverhalten)
- von der Mikroebene lässt sich nicht deterministisch auf kollektive Phänomene/ Bewegungen schließen
Bsp.: Streikbrecher vs. Streikende
...man beachte deshalb die Prämissen der Netzwerkanalyse
- Strukturen werden für die Erklärung des Handlens von Elementen herangezogen - gleichzeitig hat das individuelle Handeln (der "Elemente") Einfluss auf die Veränderung von Strukturen
fdh Martin G.
Warum sind Individuen in konventioneller Surveyforschung voneinander unabhängig?
Die Unabhängigkeit der einzelnen Individuen besteht darin, das bei der konventionellen Surveyforschung keine Beziehungen erhoben werden. Es werden lediglich individuelle Merkmale des Individuums erhoben die es nicht in Beziehungen zu anderen setzen. Die Einbettung in Netzwerke fehlt, einzelne Merkmale werden aufaddiert. Im Gegensatz dazu erfasst die Netzwerkforschung die relationale Ordnung (Beziehungen des Individuen zu anderen und die Einbettung in die Struktur).
In wieweit die Soziologie nicht an Einzelverhalten interessiert ist (stand in den Vorlesungsfolien) sollte meiner Meinung nach gesondert diskutiert werden.
fdr: Nils D.
Merkmalstypen in der Netzwerkanalyse
Absolute Merkmale: Attribute,nicht kontextspezifisch (Alter, Geschlecht,Einkommen)
Relationale Merkmale: Eigenschaft von Paaren (Dyaden),kontextabhängig ( bsp:Freundschaften)
Komparative Merkmale: Vergleich eines Merkmals eines Netzwerkelements mit einem entsprechendem Merkmal des Kollektivs. „Es wird damit die Stellung der Person im Kollektiv ( bsp Einkommen ) untersucht, im Hinblick auf die Verteilungseigenschaften des Kollektivs ( Qurtile oder Mittelwert Einkommen) für das gleiche Merkmal. (Jansen: Einführung in die Netzwerkanalyse)
Kontextuelle Merkmale: „ Ein kontextuelles Merkmal beruht darauf,dass man ein Element aus dem Kollektiv dadurch beschreibt,welche Eigenschaften das Kollektiv, also der Kontext aufweist.“ (Jansen: Einführung in die Netzwerkanalyse) Bsp: Vereinszugehörigkeit
Merkmale von Kollektiven:
Analytische Merkmale: „..sind solche Merkmale,die sich aus den absoluten Merkmalen der Kollektivmitglieder errechnen lassen. „(Statistische Maßzahlen z.B.: Lage- und Streuungsmaße, bivariate Zusammenhangsmaße) (Jansen: Einführung in die Netzwerkanalyse)
Strukturelle Merkmale: Berechnen sich anhand der relationalen Merkmale der Netzwerkmitglieder (eigentlich auch analytische Merkmale) Beispiel: Dichtemaß für Freundschaftswahlen in einer Schulklasse,Cliquen,Positionen , Globale Merkmale: „... Merkmale,die nicht auf die Merkmale der Mitglieder zurückgeführt werden können.“ (z.B. Anteil der landwirtschaftlichen Fläche eines Landes, demokratische Verfassung,Geld als Tauschmedium usw.)
Was versteht man unter Multiplexität von Beziehungen/Rollen?
In der Netzwerkanalyse unterscheidet man zwischen multiplexen und uniplexen sozialen Beziehungen. Als multiplex bezeichnet man eine soziale Beziehung, die in unterschiedlichen Kontexten zugleich von Bedeutung ist, z.B. sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen Kontext wie auch im Kontext emotionaler Unterstützung. Eine uniplexe Beziehung ist im Gegensatz dazu auf einen einzigen Kontext spezialisiert. Das ist z.B. dann der Fall, wenn Ego mit einem Alter nur Sport treibt und keinerlei sonstige Beziehungen mit ihm oder ihr unterhält. (Schnegg/Lang S. 28) FdR: Richy
Was versteht man unter Homophilie?
Wenn Personen, die in einer sozialen Beziehung zueinander stehen, auch ähnliche soziale Merkmale und Einstellungen aufweisen, die nicht lediglich zufällig zustande kamen. So sind z.B. in engen Freundschaftsbeziehungen die Individueen homophil zueinander ("Gleich und Gleich gesellt sich gern"). Dadurch ergeben sich oft multivariate Zusammenhänge zwischen Merkmalen von Ego und Alteri (im Ego-zentrierten Netzwerk), z.B. die Einstellung zu bestimmten technischen Innovationen (ist man befreundet mit Mac-Usern ist es auch wahrscheinlich, dass man selbst positiv Apple-Produkten gegenüber eingestellt ist *g*). FdR: Richy
Welche Vorüberlegungen sind zur Datenerhebung notwendig?
Klarheit über die Forschungsfrage Die Forschungsfrage gibt Auskunft über die Art des zu untersuchenden Netzwerks.
Persönliche Netzwerke Soll die soziale Einbettung einzelner Akteure untersucht werden wird man ein persönliches Netzwerk wählen. Beispiel: Die Veränderung des sozialen Umfelds von Männern aufgrund einer Heirat soll untersucht werden. Hier steht der einzelne Mann im Mittelpunkt; es handelt sich um ein persönliches Netzwerk.
Gesamtnetzwerk Geht es um die Analyse von mehreren Einheiten und ihrer Beziehungen in ihrer Gesamtheit, wird man ein Gesamtnetzwerk wählen. Beispiel: Man möchte die Kommunikationsbeziehungen in einem Unternehmen analysieren. Hier gibt es keine zentrale Person; es handelt sich also um ein Gesamtnetzwerk.
Klarheit über die Gesamtheit und Festlegen von Einheiten
Gesamtnetzwerk Die Gesamtheit muss überschaubar und „bewältigbar“ sein. Zur Untersuchung der Beziehungen und Verhältnisse in einer Stadt wird man nicht alle Bewohner einbeziehen können. Hier wird man zur Untersuchung einen einzelnen Wohnblock einbeziehen.
Persönliches Netzwerk Da auch persönliche Netzwerke sehr groß sein können, kann es sinnvoll sein eine gezielte Auswahl von Einheiten zu treffen. Dies kann durch eine Zufallsstichprobe erfolgen oder durch eine bewusste Auswahl relevanter Einheiten. Eine Zufallsstichprobe ist aber nicht immer sinnvoll. So kann man bei einer Untersuchung des sozialen Umfelds illegaler Einwanderer eine Zufallsstichprobe nicht anwenden, da es keine Verzeichnisse dieser Personen gibt, aus denen man zufällig wählen könnte.
fdr: Sebastian K.
Vergleich Ego-zentriertes Netzwerk und Gesamtnetzwerk
fdR Linda
Geodetische Distanz (kürzeste Pfaddistanz): Untersucht wird, welcher Pfad die kürzeste Verbindung von einem Punkt zum anderen darstellt (je länger die geodetische Distanz, desto störungsanfälliger können Beziehungen sein). Die Länge der Pfade entspricht dabei der Anzahl der Linien von Punkt A zu Punkt B. Die maximale Pfaddistanz in einem Netzwerk beträgt: N-1 (Anordnung der Punkte als Kette)
Erreichbarkeitsmatrix (Reachability): Gibt Auskunft darüber, welche Akteure der Matrix (unabhängig von der Länge des Pfades) sich erreichen (direkt oder indirekt), bzw. welche sich nicht erreichen können und wie viele alternative Wege die Akteure nutzen könnten.
Pfaddistanzmatrix: Ist ein Maß der Nähe. Untersucht werden die kürzesten Distanzen zwischen zwei Punkten, je kleiner der Wert, desto näher sind sich die Elemente. (Anm.: Also eigentlich das Selbe wie die geodetische Distanz) FdR Christoph
Pfaddistanzmatrix: Die Matrix in derer die geodetischen Distanzen zw. allen (verbundenen)Knoten eingetragen ist. Es beruht auf den geodetischen Distanzen, ist aber eine Matrix. (so, das ist aber auch alles was ich außer Kritik und Polemik zur höheren quantitativen Sozialforschung beizutragen habe ;-) ) FdR Victor
SPSS-Syntaxen
Die Netzwerkanalyse wird mit anderen Programmen (wie beispielsweise Unicert) berechnet.
