Soz-Handbuch

Aus Soz-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhalt

Soz-banner.jpg


Unabhängig davon, ob man letztendlich das leidige Vorurteil erfüllt und später tatsächlich einmal Taxifahrer wird, erweitert die soziologische Brille die persönliche Wahrnehmung immens. Immerhin könnt ihr dann etwaigen burnoutgefährdeten Managern auf der Rückbank - natürlich Professor Windeler zitierend - erklären, wieso ihre doch so komplett rational durchdachten Organisationskonzepte einfach nicht funktionieren wollen. Wer weiß, vielleicht stellen sie euch ja ein.. . Nein? Ihr habt tatsächlich andere Ambitionen? Hmm... Falls ihr euch statt dem Personentransport lieber innovativen Projekten wie dem Erforschen von Warteschlangen oder dem Finden der Antwort auf die leidige Frage, wieso diese elenden Pissoir-Trennwände in Männertoiletten auch wirklich nie hoch genug sind (Professor Knoblauch macht euch dafür sicher freudig ein + ins Notenbüchlein) widmen wollt, dann studiert ihr das richtige Fach. Selbst wenn euch eines Tages wieder einmal dieser Drang überkommt... ihr wisst schon, diese kaum zu unterdrückende Begierde... das überwältigende Verlangen danach, jetzt doch endlich einmal zusammen mit Professor Baur die empirischen Methoden der Sozialforschung zu revolutionieren.. ja, auch dann seid ihr hier an der richtigen Adresse. Findet ihr alles langweilig? Tja, dann müsst ihr wohl diesen doofen Technikdeterministen eins auswischen und eine Theorie bezüglich der Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft entwerfen, die sie endgültig zum Verstummen bringt. Einen qualifizierteren Berater als Professor Rammert werdet ihr in puncto Techniksoziologie wohl lange suchen müssen.

Und selbst wenn euch all das nicht reizt, gibt es ja immer noch genügend anderes im Franklingebäude zu entdecken. Wer weiß, auch falls ihr auf dem geheimnisvollen Pfad des i-Café wandelt werdet ihr eventuell fundamentale soziale Fakten entdecken. Beispielsweise die Tatsache, dass man selbst mit Informatikern vernünftig reden kann, so unglaublich das in diesem Moment auch klingen mag. Oder ihr engagiert euch in der Soz.INI. Oder ihr findet eure Erfüllung darin, die beste Soz-Party zu gestalten, die je das Licht der Welt erblickte. Oder...

Ihr seht schon, die Möglichkeiten hier seine Zeit zu verbringen sind so vielfältig wie interessant. Auch wenn es euch die ersten zähen Texte lang vielleicht anders vorkommen mag, eins wird es euch mit Sicherheit nicht werden: Langweilig.



Lieber Erstis


Liebe Erstis, (Vollständige Version)

hallo und herzlich willkommen hier im wohl prächtigsten Gebäude der TU Berlin. Falls ihr das ab und an doch recht... interessante, aber dafür mit einer Extraportion Liebe zubereitete Essen in unserer Mensa überleben solltet, wird das höchstwahrscheinlich für absehbare Zeit eure nie versiegende Quelle der Bildung und Inspiration werden.

Klingt abgedroschen? Nun ja, ein bisschen vielleicht. Nun mal im Ernst: Höchstwahrscheinlich werdet ihr in nicht allzu ferner Zukunft (wenn nicht schon jetzt) hoffnungslos überfordert sein mit tonnenweise Informationen zu dem nicht zu verachtenden Bürokratieapparat der TU, den technischen Nebenfächern, dem ECTS-System und, und, und.. ein ganz normaler Prozess. Aber trotz der ganzen Flut von Neuigkeiten sollte eine zusätzliche Perspektive auf das Studium nicht fehlen, nämlich die eines Studenten selbst. Deshalb hier ein paar erste Impressionen nach zwei Semestern Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung:

Vermutlich habt ihr euch schon im Vorfeld über die Soziologie informiert. Falls nicht, werdet ihr euch fragen: „Soziologie? Was is'n das überhaupt?“. Nun ja, es gibt zwar keine allgemeingültige Definition, aber ich werde euch an dieser Stelle die Variante meines guten Freunds Max vorstellen:

Soziologie soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. ‚Handeln‘ soll dabei ein menschliches Verhalten […] heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. ‚Soziales‘ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist. (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1920)

Klingt doch super, hmm? Lasst euch nicht von seinem Stock im Hintern abschrecken, eigentlich ist er ein ganz Lieber. Auch wenn ich natürlich(!) mit seiner Auffassung konform gehe, muss ich sie doch um einige Aspekte erweitern: Wenn man sich für Gesellschaft und menschliche Interaktion interessiert, ist Soziologie nämlich keine trockene Definition. Im Gegenteil: Sie ist eine lebendige, in höchstem Maße spannende und dynamische Wissenschaft. Es geht hier nicht nur um statisches Pauken von Theorien und deren Anwendung – nein, die Soziologie ist (wahrscheinlich vor allem) auch eine Erweiterung der individuellen Perspektive auf Gesellschaft. Es ist ein tolles Gefühl, nach und nach immer besser zu verstehen, was in dieser (und natürlich auch anderen) Gesellschaft(en) eigentlich vor sich geht, sei es nun beim alltäglichen Zusammentreffen mit Leuten in der U-Bahn, in etwaigen Organisationen oder gesamtgesellschaftlich.



In diesem Sinne,

viel Spaß bei der Einführungswoche und natürlich auch im restlichen Studium!


Gekürzte Version:


Liebe Erstis, hallo und herzlich willkommen hier im wohl prächtigsten Gebäude der TU Berlin. Höchstwahrscheinlich werdet ihr in nicht allzu ferner Zukunft (wenn nicht schon jetzt) hoffnungslos überfordert sein mit tonnenweise Informationen zu dem nicht zu verachtenden Bürokratieapparat der TU, den technischen Nebenfächern, dem ECTS-System und, und, und... ein ganz normaler Prozess. Aber trotz der ganzen Flut von Neuigkeiten sollte eine zusätz-liche Perspektive auf das Studium nicht fehlen, nämlich die eines Studenten selbst. Deshalb hier ein paar erste Impressionen nach zwei Semestern Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung: Vermutlich habt ihr euch schon im Vorfeld über die Soziologie informiert. Falls nicht, werdet ihr euch fragen: „Soziologie? Was is'n das überhaupt?“. Nun ja, es gibt zwar keine allgemein gültige Definition, aber ich werde euch an dieser Stelle die Variante meines guten Freunds Max vorstellen:

Soziologie soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. ‚Handeln‘ soll dabei ein menschliches Verhalten […] heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. ‚Soziales‘ Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist. (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1920)

Klingt doch super, hmm? Lasst euch nicht von seinem Stock im Hintern abschrecken, eigentlich ist er ein ganz Lieber. Auch wenn ich natürlich(!) mit seiner Auffassung konform gehe, muss ich sie doch um einige Aspekte erweitern: Wenn man sich für Gesellschaft und menschliche Interaktion interessiert, ist Soziologie nämlich keine trockene Definition. Im Gegenteil: Sie ist eine lebendige, in höchstem Maße spannende und dynamische Wissenschaft. Es geht hier nicht nur um statisches Pauken von Theorien und deren Anwendung – nein, die Soziologie ist (wahrscheinlich vor allem) auch eine Erweiterung der individuellen Perspektive auf Gesellschaft. Es ist ein tolles Gefühl, nach und nach immer besser zu ver-stehen, was in dieser (und natürlich auch anderen) Gesells-chaft(en) eigentlich vor sich geht, sei es nun beim alltäglichen Zusammentreffen mit Leuten in der U-Bahn, in etwaigen Organisationen oder gesamtgesellschaftlich. Unabhängig davon, ob man letztendlich das leidige Vorurteil erfüllt und später tatsächlich einmal Taxifahrer wird, erweitert die soziologische Brille die persönliche Wahrnehmung immens. Und selbst wenn euch all das nicht reizt, gibt es ja immer noch genügend anderes an der TUB zu entdecken. Oder ihr engagiert euch in der Soz.INI. Oder ihr findet eure Erfüllung darin, die beste Soz-Party zu gestalten, die je das Licht der Welt erblickte. Oder... Die Möglichkeiten hier seine Zeit zu verbringen sind so vielfältig wie interessant. Auch wenn es euch die ersten zähen Texte lang vielleicht anders vorkommen mag, eins wird es euch mit Sicherheit nicht werden: Langweilig.

In diesem Sinne, viel Spaß bei der Einführungswoche und natürlich auch im restlichen Studium!
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge