Organisation eines Pfadbruchs? (CO vom 22.01.09)
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Notizen aus dem Kolloquium der Organisationssoziologie vom 22.01.09:
Inhaltsverzeichnis |
Anwesende:
A. Windeler (Diskussionsleiter)
J. Spengler (Referent)
Präsentationsinhalt:
Vollständiger Titel: "Organisation eines Pfadabbruchs? – Zur Entwicklung der Chiptechnologie nach 2020"
Vorbemerkung: Es geht im Folgenden nicht darum, zu prognostizieren, wie die Welt nach 2020 aussieht, vielmehr soll die Auswirkung eines bestimmten Zukunftsbildes – nämlich das der Chipentwicklung – in der Gegenwart untersucht werden.
Die Chiptechnologie der letzten Jahrzehnte ist durch einen Miniaturisierungsprozess gekennzeichnet, bei dem die technischen Grundlagen im Wesentlichen gleich bleiben. Einige Chiphersteller sagen eine Grenze dieser Entwicklung voraus, ab der eine weitere Miniaturisierung mit den derzeitigen technischen Mitteln nicht mehr realisierbar ist. Setzt sich die bisherige Entwicklung zukünftig fort, so die Annahme, ist die Grenze etwa im Jahre 2020 erreicht.
Im vorliegenden Forschungsvorhaben – einer Diplomarbeit – soll nun der Umgang mit dieser Voraussicht bzw. ihre Auswirkung untersucht werden. Dazu wird auf zwei Theorieansätze zurückgegriffen. Zum einen der Feldansatz von Leblebici et al. (1991), zum anderen pfad-informierte Ansätze. Bei letzteren ist noch nicht klar, auf welche Spielart gesetzt wird (Akteur-Netzwerk-Theorie, Strukturationstheorie, Evolutionstheorien...).
Das Feld wird im Mittelpunkt mehreren Aspekte betrachtet: Actor Constellations, Technologies, Regulations, Practices. Es soll untersucht werden, was die einzelnen Aspekte im vorliegenden Fall ausmacht.
Beim Pfadansatz besteht das Problem, dass Pfadabhängigkeit nur rückblickend beschreibbar ist, da meist von einem kontingenten Prozess ausgegangen wird. Damit es aber überhaupt zur Pfadausbildung kommt, bedarf es eines so genannten "Momentums", um im übertragenden Sinne die "Massenträgheit" soziotechnischer Verläufe zu überwinden. Das Momentum kann man sich als Dreieck zwischen technischen, ökonomischen und sozialen Beharrungstendenz vorstellen. Diese "Kanten" des Dreiecks sollen im vorliegenden Fall verortet werden.
Empirisch zeigt sich, dass trotz der erwarteten langen Vorlaufzeit bis zum möglichen Markteintritt, neue Chiptechnologien bereits modellhaft vorweggenommen werden. So werden bereits Modelle entwickelt, bei denen die bisherige Miniaturisierung (geometrische Skalierung) um eine funktionale Diversifierzierung ergänzt wird, d.h. der Chip soll nicht nur kleiner, sondern auch funktional anders aufgebaut werden. Es geht quasi darum, die technische Aufgabenverteilung neu zu strukturieren. Damit würde die bisherige eindimensionale Entwicklung, gleichsam zweidimensional aufgespannt und so neue Entfaltungsmöglichkeiten für den Chipmarkt geschaffen.
Diskussionsbemerkungen:
Hinsichtlich des Pfadansatzes wird vorgeschlagen, nicht so viel Aufheben um die Grundannahmen zu machen, sondern möglichst auf bestehende Arbeiten zu verweisen, so dass man sich nicht in theoretische Auseinandersetzungen verstrickt. Es reiche aus, wenn ein besonderer Aspekt der Empirie unter dem theoretischen Gesichtspunkt untersucht werde – z.B. Pfade im organisationalen Feld. Wie stichhaltige der Pfadansatz im Ganzen sei, brauche selbst nicht begründet zu werden. Der jeweilige Gesichtspunkt solle aber stets in einem klar erkennbaren Zusammenhang zum Titel stehen. Man könne ggf. so weit gehen, den Pfadansatz ganz zu verwerfen und beispielsweise nur den Momentum-Begriff zu verwenden.
Literatur
Leblebici, H.; Salancik, G.; Copay, A.; King, T. (1991): Institutional change and the transformation of interorganizational fields: An organizational history of the U.S. radio broadcasting industry. In: Administrative Science Quarterly 36, S. 333-363.