Geschlechter- und Sexualsoziologie

Aus Soz-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Geschlechter- und Sexualsoziologie untersucht:

a) die Beziehungen zwischen sexueller Triebhaftigkeit des Menschen und seiner Sozialisation durch bestimmte gesellschaftliche Strukturverhältnisse und moralisch-ethische Wertvorstellungen,

b) die Funktionen der Sexualität für Aufbau, Stabilität und Wandel sozialer System,

c) die kulturellen und sozialen Faktoren, die in den verschiedenen Gesellschaften und in den Schichten und Gruppen von Gesellschaften zu unterschiedlichen geschlechtlichen Verhaltensweisen führen,

d) die Zusammenhänge zwischen Sexualerziehung und Geschlechterrollen-Vermittlung (vgl. Hartfiel, G.; Hillmann, K.-H.: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Kröner, 1982, 679f.).

Wie viele Spezialsoziologien hat auch die Geschlechter- und Sexualsoziologie mehrere Bezüge zu anderen Teildisziplinen. Hier sei exemplarisch auf die Verbindungen zur politischen Soziologie verwiesen: Bereits in den 1930er Jahren verknüfte Wilhelm Reich sexualwissenschaftliche Befunde der freudschen Psychoanalyse mit der marxistischen Ideologie ("Freudomarxismus") und rief eine Bewegung für proletarische Sexualpolitik ins Leben ("Sexpol"). Reich zog Verbindungen zwischen Faschismus und Triebstrukturen (Reich 1997 [1933]). In der Nachkriegszeit nahmen sich auch bürgerliche Soziologen dem Thema an und verbanden es mit Forschungen zu Wertvorstellungen sowie zur Familienentwicklung (Schelsky 1955). Im Zuge der 68er-Bewegung erlebt auch die marxistische Ausrichtung eine kleine Renaissance. Nun wurden verstärkt konsumkritische Akzente gesetzt sowie tradierte Werte wie Monogamie und Inzestverbot hinterfragt (Reiche 1971).

Zum Weiterlesen:

  • Reiche, Reimut (1971): Sexualität und Klassenkampf. Frankfurt a. M. / Hamburg: Fischer.
  • Reich, Wilhelm (1997 [1933]): Die Massenpsychologie des Faschismus. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
  • Schelsky, Helmut (1955): Soziologie der Sexualität. Hamburg: rowohlt.