24.05.07 Sozio-technische Systeme

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Inhaltsverzeichnis

Tavistock-Institute

Emery, Trist (1960er) am Tavistock-Institute

Einordnung

Gegenbewegung zu Taylor, der das menschliche nicht beachtet hat; Erbe der human-relations-Bewegung; zusätzliche Effizienzsteigerung mittels zufriedenerer Arbeiter

Allgemeine Begriffsdefinition sozio-technisches System

Der Begriff des sozio-technischen Systems betont „vor allem, dass technische Komponenten oft als integrale Bestandteile in soziale Handlungszusammenhänge eingebaut sind, die in ihrer Struktur und Dynamik davon entscheidend geprägt bzw. verändert werden. (Mayntz)

Die Technik ist quasi "internalisierte Umwelt" (sauer nach mitschrift v. ISS)

Thematischer Schwerpunkt

Erforschung des Zusammenhangs von Technik und Arbeitsorganisation in der Produktion

Zentrale Begriffe

Akteur

Homo oeconomicus: Rational handelnder Akteur mit dem Ziel der effizienten Aufrechterhaltung des Systems.

Technik

Mediating role der Technik: Vermittler zwischen Umwelt und System.

Organisation

Offenes System, Anpassung an Umwelt, aber auch Beeinflussung dieser. Primäres Ziel der Positionssicherung am Markt. Ausrichtung auf prod. Industrien.

Umwelt

  • Manifeste Umwelt
  • Starke Umwelt, bestimmt auch interne Strukturen (situativer Ansatz)
  • Organisationsumwelt hat keinen steuernden Einfluss, kann nur irritieren, daher besteht die Organisation nur, solange es die Umwelt toleriert

dritter Punkt stimmt so nicht, denn das ist die Definition vom geschlossenen System. Emery/Trist betrachten die Organisation aber als offenes System, also als Transformationsmaschinerie (Input->Output). Die Umwelt gibt die Inputs vor, ausserdem was die Outputs sein sollen. Damit hat die Umwelt sehrwohl steuernden Einfluss. fdR: Martin Sa

Ziel

  • Optimierung von Produktionsabläufen in zwei Hauptdimensionen:
  • „the socio-psychological (the people) and the technological (the things)“
mit Blick auf das technische System ist das Optimierungsziel technische Effizienz
hinsichtlich des sozio-psychologischen Systems ist das Optimierungsziel hohe Arbeitszufriedenheit
  • unterschiedliche Arten der Arbeitsorganisation

Beziehung zwischen T&O:

Technik und Organisation stehen sich als gleichwertige Systeme gegenüber

Nein! Besser: Innerhalb des soziotechnischen Systems (der Organisation) stehen sich Soziales Subsystem und Technisches Subsystem gleichwertig gegenüber! fdR Martin Sa

Kritik

  • Heterogene Elemente ohne gemeinsame Eigenschaften werden unter einem selbst nicht inhaltlich qualifizierten Begriff zusammengefasst (Interdependenz fehlt) nach Rammert
  • Eher aditives als systemisches Verständnis des sozio-technischen Zusammenhanges: im Wesentlichen geht es darum, 2 Komponenten, die technische und die soziale, nach jeweils eigenen Kriterien so zu optimieren, dass es nicht zu unerwünschten Interferenzen kommt.
  • Unklare Abgrenzung des Technischen und des Sozialen: ist nicht auch die Form der Arbeitsorganisation Bestandteil der technischen Struktur?
  • verknapptes Bild von Mensch und Organisation (Machtaspekte fehlen, Effizienter Akteur)
  • Tavistock-Ansatz ist ein Gestaltungsprinzip: Gehen von einer Effizienzsteigerung unter sich nicht ändernden Umwelteinflüssen aus, wollte man jedoch den Wachstum eines Unternehmens beschreiben, müsste man den Wandel in der Umwelt berücksichtigen


Sicher, dass der letzte Punkt richtig ist? Ich glaube nicht! nur wirkt die Umwelt auf das soziale Teilsystem eben anders ein als auf das technische! (fdR: Martin Sa)

Sozio-technische Systeme im Seemless Web (Thomas P. Hughes)

ich denke, das "seamless web" hat eine andere Auffassung von der Verbindug zwischen Akteueren und Technik, es ist quasi eine Weiterentwicklung. Die beiden Ansätze sollten deshalb besser getrennt gesehen werden fdR Martin Sa

Thematischer Schwerpunkt

Technikhistorische Studien über Innovationsprozesse

Zentrale Begriffe

Seemless Web

Vorstellung vom System als eines „nahtlosen Gewebes“ (vgl. Hughes 1985: 48), Resultat der Synthese einer Vielzahl von Komponenten, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun zu haben scheinen Systemerbauer (meist Einzelerfinder) hat das Ziel eine Vielzahl heterogener, technischer und sozialer Komponenten dergestalt wechselseitig aneinander angepasst und aufeinander abgestimmt zu haben, dass sie mit Blick auf die Erbringung einer bestimmten Leistung als kohärentes System zusammenwirken.

System Builder

Stellt ein Gleichgewicht zwischen
# force unity vs. diversity
# centralization vs. pluralism
# coherence vs. chaos
Beispiel
Elektrifizierung Amerikas: Edison (System-Builder) und die Glühlampe (Seemless Web: Kupferpreis, Strompreis, Ohms-Gesetz, Populationsdichte, usw.)

Momentum

Moment, indem innere Dynamik des techn. Systems nicht mehr aufzuhalten ist

Reverse salients

ewiger Kreislauf des ver- und ausbesserns, da einige Komponenten im System stets hinterherhinken

Akteur

System-builder + seemless Web-Komponenten Extrem starker (vielleicht zu starker) Einzelakteur(Systemerbauer)

Umwelt

  • Manifeste Umwelt
  • Kaum bedeutsam für Prozesse im System (evtl. Vernachlässigung)

Beziehung zwischen T&O

Orgs und Techniken nur als Teil des Systems interessant und dies auch lediglich in der vom Systemerbauer vorgesehenen Art und Weise.

Kritik

  • Kritik nach Rammert: Ansatz erklärt Technikentwicklung als Ganzes, das aus heterogenen Teilen besteht, aber wie Komponenten wechselseitig Einfluss aufeinander nehmen, ist nicht geklärt, also die Technik und Soziales interagieren
  • Sind alle Komponenten sozio-technischer Systeme den wechselseitigen Einflussverhältnissen gleichermaßen ausgesetzt? Dann wären auch die beteiligten mensch-lichen Akteure zu einem bestimmten Teil „Artefakte“ des Systems.
  • Frage nach dem „Wie“ des wechselseitigen Einflusses der technischen und der sozialen Komponenten aufeinander ist damit jedoch noch nicht beantwortet
  • „schwache“ Begriffe: alles ist System etc.


FdR: Robert

FdR: MaGö, JuBu, RiBr