21. April 2009
Aus Soz-Wiki
Protestgrillen zu Teilnahmelisten:
Ergebnisse der Diskussion
- Anwesenheitslisten sind nur Ausdruck der Anwesenheitspflicht die es auch zu kritisieren gilt
- Der Institutsrat am 29.4 befasst sich mit Anwesenheitslisten, da sollten unsere Inhalte vorgetragen werden
- Der Datenschutz wird auch z.B. im ISIS verletzt durch Kontrollfunktion wer sich wie oft angemeldet hat und den Text runtergeladen hat
- Die Dozenten können selbst festlegen wie sie die Anwesenheit zu kontrollieren haben
Was sind Teilnahmelisten?
Teilnahmelisten sind Listen die oft in Seminaren und Vorlesungen herumgegeben werden um die körperliche Anwesenheit zu kontrollieren. Nicht erst seit der Bachlor/Master Einführung sind die aus dem Unialltag nur mehr schwer wegzudenken. Die Anwesenheit wird oft mit Unterschrift kontrolliert.
Was bedeuten Teilnahmelisten?
Teilnahmelisten bedeuten Kontrolle und Disziplinierung. Wie in der Schule. Wenn du da nicht da warst gab es einen Klassenbucheintrag und wenn du zu oft nicht unterschrieben hast gibt es keinen Schein. Diesen Schein benötigst du um eine Prüfung zu machen und dein Studium abzuschließen. Im BA/MA System heißt sogar der Nichterwerb eines Scheines das das ganze Modul verfällt du also eventuell das ganze Modul von drei Veranstaltungen nochmal machen musst. Nur weil du dreimal nicht unterschrieben hast. Was nicht heißt das du nicht da warst. Vielleicht hast du die Liste nicht bekommen. Vielleicht hast du dich viel besser vorbereitet als alle anderen aber wenn du nicht körperlich anwesend warst, zählt das alles nicht. Allein die Disziplin zählt nicht das was du denkst, fühlst oder machst.
Jetzt wirst du aber polemisch.
Mag sein aber das ändert nichts an der Tatsache das Anwesenheitslisten Ausdruck von Kontrolle sind. Kontrolle die uns in dieser Gesellschaft immer verstärkter entgegen tritt. Ob am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum, selbst in deiner Wohnung wenn du wegen dem Verfassen von kritischen Arbeiten unter Terrorverdacht stehst(siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm).
Genau. Überall. Warum sollte die Universität da eine Ausnahme machen?
Eine Universität ist ein Ort der Wissens und der Wissenschaft. Wissenschaft muss frei betrieben werden, am Prinzip der Wahrheit orientiert wenn sie ihre Position erhalten will. Das Studium dient dazu Wissenschaftler_innen auszubilden, also frei denkende und frei handelnde Individuen. Überwachung und Kontrolle produzieren unselbstständige Individuen die sich rein an äußeren Zwängen orientieren. Der Sozialpsychologe Vinnai beschreibt die derzeitige Situation an der Universität wie folgt: "Infantilisierte Studierende, die Angst vor der Freiheit haben, rufen nach autoritären Festlegungen ihres Studienverlaufs, was autoritär strukturierte Hochschullehrer zu erfreuen vermag, die anderen gerne vorschreiben, was sie tun haben, anstatt ihnen aus infantilen Abhängigkeiten herauszuhelfen." Angst vor der Freiheit. Angst davor bei der Prüfung zu versagen wenn wir nicht dazu gezwungen werden, körperlich in der Vorlesung anwesend zu sein.
Hm. Und was geht mich das an? Ich bin ja sowieso da also kann ich auch unterschreiben.
Stimmt. Also bist du aus dem Schneider und brauchst nicht mehr hinzuhören oder gar kritische Fragen zu stellen. Du hast ja deine Pflicht zur Anwesenheit erfüllt. Und was ist wenn du ein Semester lang krank bist und nur zu Hause lernen kannst? Wenn die Vorlesung didaktisch und inhaltlich schlecht ist und du lieber für dich selber lernen willst?
Dann lasse ich halt andere für mich unterschreiben.
Eine weit verbreitete Praxis. Wer hat das noch nicht gemacht. Benachteiligt werden hier Menschen die keine guten Netzwerke zwischen den Studierenden haben sondern eher am Rande stehen da sie wohl möglich keine Zeit oder keine Lust haben sich neben der Universität mit Studierenden zu treffen. Beliebte Menschen haben hier den Vorteil das sie kaum kommen müssen da sie ja viele Leute haben die für sie unterschreiben. Gerecht ist das nicht. Und schützt auch nicht diejenigen die immer da sind.
Was tun?
Es sollte deine freie Entscheidung wo du hingehst, was du machst um die Prüfung zu bestehen und was du im Seminar sagst. Die Universität braucht Freiheit und Menschen die gelernt haben diese zu gebrauchen. Auch wenn die Dozierenden ihr Ego geknickt sehen wenn kaum jemand da ist. Dann sollten sie schleunigst versuchen ihre Lehrmethoden zu verbessern. Die Vorlesungsfolien nicht erst am Frühstückstisch vorbereiten. Didaktik lernen. Anwesenheitslisten bringen hier nichts. Also leistet kreativen Widerstand gegen Anwesenheitslisten, sprecht sie an und thematisiert sie im Seminar. Nehmt sie notfalls mit. Und wenn der Dozent jeden einzeln antanzen lässt zeigt er sein wahres autoritär strukturiertes Selbst.
Links
Die Fachschaft vom OSI zu Anwesenheitslisten: [1]